„Wo bitte geht’s zur digitalen Schule?“ 14.02.2017, faz.net

Aktuell findet in Stuttgart die weltweit größte Fachmesse für Bildung, die didacta, statt. Ein großes Thema dieses Jahr ist digitale Bildung. Wo man von einer Fachmesse jedoch zukunftsweisende Ausblicke erwartet, berichten die Medien eher verhaltend.

Am Dienstag (14.02.2017) berichtete die Frankfurter Allgemeine (faz.net) über die Bildungsmesse und den digitalen Ausbau der Schulen. Zwar wird ein wichtiger Punkt in der Frage der digitalen Bildung angesprochen, eine sinnvolle Antwort bleibt jedoch aus. „Die Technik muss der Pädagogik folgen und nicht umgekehrt“, so Susanne Eisenmann, Chefin der Kultusministerkonferenz (KMK). Nur stellt sich mir da die Frage: Wie sollen Pädagogen von einer Technik Gebrauch machen, die sie weder verstehen, noch Zugang zu ihr haben?

Didacta-Präsident Wassilios Fthenakis stellt den „Digital Turn“ als größte Herausforderung dar, der das Bildungssystem jemals gegenübergestanden hat. Für Schüler heute sei das „www“ so wichtig wie das „ABC“. Eine nette Formulierung. Nicht nur gibt Herr Fthenakis der alltäglichen und immer fortschreitenden Digitalisierung einen hippen englischen Namen, er stellt sie zudem noch als den bösen Gegenspieler dar, den es zu überwinden gilt. Es ist nicht verwunderlich, dass die digitale Bildung ein Problem darstellt, wenn wir sie als solches betrachten und nicht ihre Chancen bewundern. In einem Punkt stimme ich Herrn Fthenakis vollkomme zu: „Allein die Einführung neuer Technologien wird aber die Bildungsqualität nicht automatisch verbessern.“ Daraus folgt doch unweigerlich die Frage, wie wir Pädagogen darin unterrichten, die Technologie zur Verbesserung der Bildung einzusetzen. Zumindest von der Frankfurter Allgemeinen wird dieser Punkt völlig ignoriert. Um Schülern Medienkompetenz beizubringen, müssen zuerst die Lehrer medienkompetent sein.

Wie das Magazin IT-Business (it-business.de) berichtet, würde hieran in den Bundesländern gearbeitet werden. Der Bund möchte dieses Vorhaben finanziell unterstützen, nach der Bundestagswahl. Prioritäten sind wichtig. „Dabei gibt es einen Mangel an Veränderungsbereitschaft.“, so Saskia Esken, Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion für digitale Bildung. Wir brauchen Unterrichtsmodelle, die Schüler an das Thema heranführen und den Umgang praktisch zeigen. Da stimmen wir Katja Schwaniger vom Schulbuchverlag Cornelsen zu: „Es fehlt nicht nur an guten didaktischen Konzepten, sondern auch bei der Lehrerfortbildung“.

Ich sehe den Ausbau der IT-Infrastruktur des Bundes, um 40.000 Schulen einen Zugang zu Medien zu ermöglich, beim besten Willen nicht als lobenswert. Das ist lediglich die technische Voraussetzung. Es ist die Pflicht des Bundes dies zu tun, die Kür zeigt sich später. Dann, wenn ein Fthenakis versteht, dass „www“ und Internet nicht das gleiche sind.

Bisher lässt sich sagen, dass nichts über zukünftige Änderungen berichtet wurde. Entweder liegt es daran, dass dieses Thema in den Magazinen auf Unverständnis trifft, oder es schlichtweg kaum Änderungen gibt. Ich vermute leider letzteres. Wenn auf der weltgrößten Bildungsmesse in 2017 das Problem der digitalen Bildung diskutiert wird, Lösungen aber in weiter Ferne liegen, werden wir auch im nächsten Jahr vor der gleichen Frage stehen. Uns ist klar, dass sich die Zahnräder im trägen und dezentralen Schulsystem nur langsam drehen, dennoch fordern wir aktive Handlungsansätze, die in den Bundesländern zu einer Fortbildung von Lehrkräften genutzt werden. Eine reine finanzielle Unterstützung und ein technischer Ausbau sind notwendige Schritte, aber sie reichen nicht aus, um die digitale Bildung in die Schulen zu bringen.

Quellen:
http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/bildungsmesse-didacta-wo-bitte-geht-s-zur-digitalen-schule-14877615.html
http://www.it-business.de/bildungsmesse-didacta-in-stuttgart-a-581943/